Erschaffe ein Paradies für Schmetterlinge in deinem Garten

Dieses Schmetterlingsposter zeigt auf einen Blick die wichtigsten Fördermassnahmen für Schmetterlinge und deren Raupen im eigenen Garten, Sitzplatz, Dachterrasse oder Balkon. Es soll Kinder, Familien und Garteninteressierte dazu ermutigen, etwas für das Ökosystem gleich vor der eigenen Haustür zu tun und damit der Insektenkrise entgegenzuwirken.

 

Der Kanton Zürich stellt dieses Poster ab Mai 2022 den Gemeinden zur Verfügung , um bei der Bevölkerung für mehr Artenvielfalt in unseren Gärten zu werben.

 

Produziert von atlant.ch und inkandcolour.ch

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Inhalt

Ökosysteme

Futterpflanzen für Raupen

Nektarpflanzen für Schmetterlinge

Verstecke für Puppen

Exotische und invasive Pflanzen

Der Garten als Lebensraum

Ökosysteme: Eine Pflanze für tausend Arten

Wer die Artenvielfalt im Garten fördern möchte, muss das «Prinzip des Ökosystems» beachten. Das heisst, dass sich Tiere und Pflanzen in unseren Breitengraden seit Jahrtausenden aufeinander abgestimmt haben. Der eine kann nicht ohne den anderen sein. So unterhält ein einzelner heimischer Baum tausend verschiedene Arten. Das können Raupen, Käfer, Spinnen, Wespen oder Bienen sein, die auf den Blättern, an den Blüten oder im Holz des Stamms leben. Oder es sind Nematoden, Pilze, Würmer oder Asseln, welche die Wurzeln besiedeln.

Das funktioniert jedoch nicht immer. Wird ein Baum aus einem anderen Kontinent bei uns gepflanzt, wissen die heimischen Arten oft nicht, was sie damit anfangen sollen. Die Blätter sind für sie ungeniessbar und manchmal sogar giftig. Solche exotischen Arten gehen mit unseren heimischen Tieren deutlich weniger Beziehungen ein. Sie stehen quer im Ökosystem unserer Gärten. Darum sollte man darauf achten, dass in unseren Gärten Arten aus einheimischen Ökosystemen gepflanzt werden. Und wenn gebietsfremde Arten, dann wenigstens solche aus Europa und nicht von anderen Kontinenten. 


Futterpflanzen für Raupen

Raupen benötigen für ihr Wachstum viel Futter. Dabei handelt es sich nicht um beliebige Pflanzenarten. Jede Raupenart hat ihre eigenen Vorlieben. Stehen diese Gewächse nicht zur Verfügung, wird auch kein Schmetterling seine Eier ablegen. Die hier vorgestellten Arten sind so ausgewählt, dass der Garten möglichst vielen Raupenarten Nahrung bietet.

Fenchel

Auf dem Fenchel legt der Schwalbenschwanz gerne seine Eier ab. Wenn irgendwo ein paar wenige Pflanzen stehen, flattert er schon bald herbei. Mit seinen Antennen kann er den Fenchel riechen und findet punktgenau zum Futter seiner Raupen. Fenchel ist eine einfach zu ziehende Gemüseart. Bei wenig Platz lassen sich jeweils vier Setzlinge in einen grossen Topf von 30 bis 40 Zentimeter Durchmesser ziehen. Den Topf stellt man möglichst sonnig auf den Balkon, die Terrasse oder den Gartensitzplatz. Am besten lässt man den Fenchel über den Winter stehen. Der Schwalbenschwanz verpuppt sich oft an einem Stiel, und in den hohlen Stängeln überwintern Nützlinge wie Raubwanzen und kleine Grabwespen. 

Brennnessel

Die Brennnessel erscheint oft ganz von selbst in Randbereichen des Gartens, die selten gemäht werden. Viele sehen in ihr ein lästiges Unkraut, doch für Schmetterlinge ist sie sehr wertvoll. Dutzende Insektenarten ernähren sich von ihr, unter anderem 19 verschiedene Schmetterlingsraupen. Darunter etwa die Raupen des Kleinen Fuchses, des Tagpfauenauges und des Landkärtchens. Am besten entscheidet man sich, wo die Brennnessel wachsen darf und wo nicht. Dann ist die Sache geklärt. Man sollte sie das ganze Jahr – auch im Winter – stehen lassen, da die Puppen an den alten Stängeln hängen und an ihnen überwintern. 

Salweide

Sie ist die Königin unter den Nahrungspflanzen, denn an ihr können 100 verschiedene Raupenarten fressen. Sie sollte darum in keinem Garten fehlen. Ihre Vermehrung ist sehr einfach: Man schneidet dazu einfach einen Zweig ab und steckt ihn in die Erde. Pflegeleicht, wie sie ist, kann sie auf jede beliebige Grösse zugeschnitten werden. Daneben ist die Salweide im Frühling auch eine erstklassige Bienenweide. 

Schwarzdorn

Der Schwarzdorn oder Schlehdorn ist im Frühjahr an seinen schneeweissen, kleinen Blüten zu erkennen.  54 Raupenarten ernähren sich von seinen Blättern. Unter anderem legt der Pflaumenzipfelfalter im Herbst seine Eier auf ihm ab. Diese überwintern und im Frühjahr schlüpfen die Raupen pünktlich zum Austreiben der ersten Knospen. Seine strauchhafte Wuchsform und sein verzweigter Unterbau bieten Tieren wie Igel oder Wiesel Schutz und Unterschlupf.

Sträucher wie diesen kauft man am besten im Topf und pflanzt sie in einem Randbereich im Garten.

Weissdorn

Der prächtige Weissdorn ernährt 60 Raupenarten. Im Frühjahr ist er in Hunderte von strahlend weissen Blüten gekleidet. Auch er eignet sich für viele Kleinlebewesen als Unterschlupf. 

Faulbaum

Er ist mehr Strauch als Baum und kommt auch mit wenig Platz aus. Man findet ihn oft in feuchten Wäldern. Doch sollte er auch in unseren Gärten nicht fehlen, denn er ist die bevorzugte Futterpflanze des Zitronenfalters. Zeitig im Frühjahr fliegt dieser punktgenau jeden Faulbaum an und legt seine zitronenförmigen Eier einzeln auf das spriessende Laub.

Hier legt ein Zitronenfalter gerade seine Eier ab. 

Stieleiche

Eichen sind im europäischen Ökosystem sehr wichtige Pflanzen. Sie gehen Beziehungen zu Hunderten von Arten ein wie etwa Käfer, Ameisen oder Gallwespen. Ihr Laub ernährt 60 Raupenarten, darunter etwa die des Eichenwicklers. Sie gilt im Forstbau als Schädling, im Garten hingegen ernährt die Raupe viele Vögel. Und der dämmerungsaktive Falter ist ein willkommener Snack für Fledermäuse.

 

An einer Eiche lassen sich nicht nur Sitzkörbe aufhängen, sondern sie spendet auch Schatten für Sandkästen und Spielplätze. Für grössere Gärten ist dieser Baum ideal. 

Hängebirke

Sie wird nicht ganz so gross wie eine Eiche und kann auch schon in kleineren Gärten als Klimaanlage mit dichtem Blattwerk zum Einsatz kommen. Zudem ernährt sie 80 verschiedene Raupenarten, unter anderem den hübsch schwarzweiss gemusterten Birkenspanner. 


Nektarpflanzen für Schmetterlinge

Bei den meisten heimischen Nektarpflanzen für Schmetterlinge handelt es sich um Stauden (unverholzte Pflanzen). Die schnellsten Erfolge erzielt man, wenn man sich in einer Fachgärtnerei für Wildstauden Setzlinge besorgt und sie zeitig im Frühjahr einpflanzt. Diese beginnen noch im selben Jahr zu blühen. Die andere Variante ist die Aussaat auf einer Rasenfläche. Hier braucht es jedoch mehr Pflege und auch mehr Geduld, da die meisten Sämlinge erst im zweiten Jahr zu blühen beginnen. 

Karde

Ihre Blüten werden besonders gern von Hummeln und Schmetterlingen besucht. Zudem dienen ihre Blätter Blattkäfern als Nahrung. Die hohen Stängel sind ein idealer Ansitz für Vögel wie Rotschwänze und Grasmücken, die von der hohen Warte aus Insekten erspähen.

Efeu

Der Efeu ist im Herbst eine der letzten blühenden Pflanzen. Er ist vor allem für Wanderfalter wie den Admiral oder den Distelfalter von Nutzen. Am Efeu können sie auftanken und danach ihre lange Reise in den Süden fortsetzen. Ebenso findet man die Efeu-Seidenbiene hier. Sie ist die späteste Wildbiene des Jahres und baut ihre Nester gerne in Sandkästen. Beim Efeu blühen nur die alten, kletternden Triebe. Als Bodendecker blüht er nicht. Darum ist es besser, ihn an einem alten Baumstumpf, einen Baumstamm oder einer Mauer hochwachsen zu lassen. 

Witwenblume

Die prächtigen Witwenblumen zieren ab Mai viele Blumenwiesen. Sie sind die bevorzugten Nektarpflanzen der Widderchen, einer Gruppe von tagaktiven Nachtfaltern. Oft tummeln sich gleich mehrere von ihnen auf einem Blütenkopf. 

 

Wegwarte

Die Wegwarte produziert einen üppigen Blütenstand, der unter guten Bedingungen so hochwächst, dass er mit einem Stab gestützt werden muss. Sie blüht vom Sommer bis in den Herbst und steht auch auf Liste der beliebtesten Nektarpflanzen für Wildbienen. 

Weidenröschen

Es ist nicht nur eine wichtige Nektarquelle für das Taubenschwänzchen und andere Schwärmer, sondern dient auch den riesigen Raupen des Mittleren Weinschwärmers als Nahrungsquelle. Es blüht üppig während der Sommermonate.

Wilde Möhre

Die Wilde Möhre ist die ursprüngliche Form der Karotte. Schmetterlinge fliegen sie wegen ihres Nektars an. Für die Sandbienen ist sie eine der wichtigsten Pollenlieferantinnen. Auf ihren Blättern fressen die Raupen des Schwalbenschwanzes.   

 

Gemeine Kratzdistel

Sie ist aus ökologischer Sicht eine sehr wertvolle Pflanze. Ihre nektarreichen Blüten ziehen Schmetterlinge (wie hier den Schwalbenschwanz) und Wildbienen an. Ihre Blätter sind die Nahrung der Raupen des Distelfalters. Die Samen sind die Leibspeise des Distelfinks.

Skabiosen-Flockenblume

Diese mehrjährige Staude blüht vor allem in den Sommermonaten. Jede Pflanze bringt viele Blüten hervor, die reich an Nektar sind. Auch sie wird gerne von den Widderchen besucht. 

Esparsette

Sie ist eine einfach zu ziehende Nektarlieferantin, die auch in der Landwirtschaft weite Verbreitung als Gründüngung und Nutztierfutter hat. Neben den Schmetterlingen besuchen sie auch die Wildbienen sehr gerne. 

Wiesensalbei

Er ist ein Frühjahrsbote, dessen Blüh-Höhepunkt im Mai und Juni liegt. Er ziert viele Wiesen sowie Strassen- und Wegränder und darf auch im Garten nicht fehlen. 

Wasserdost

Er blüht üppig von Sommer bis Herbst und eignet sich vor allem für die feuchteren Stellen. Zum Beispiel am Rande eines Gartenteichs oder neben einer Regentraufe an der schattigen Nordseite des Hauses. Er ist einer der bevorzugten Nektarpflanzen des Russischen Bären. Hier im Bild hat sich gerade ein Schachbrettfalter auf ihm niedergelassen. 

Rote Waldnelke

Die Rote Wald- oder Lichtnelke blüht von April bis in den Sommer hinein. Sie wächst gerne in halbschattigen bis sonnigen Standorten und mag einen feuchten Boden. Tagaktive Schwärmer finden Gefallen an ihr, da sie mit ihrem Rüssel gut in den langen Blütenkelch kommen.


Verstecke für Puppen

Manche Raupen sind so gut getarnt, dass sie sich gleich an ihrer Futterpflanze verpuppen. So machen es etwa die Raupen des Zitronenfalters. Andere kriechen mehrere Meter weit von ihrem Fressplatz weg, um sich einen geschützten Ort zu suchen. Folgende Strukturen können ihnen dabei Unterschlupf gewähren. 

Alte Pflanzenstängel und Dornengestrüpp

Die Stängel von alten Stauden sollten im Herbst möglichst stehen gelassen werden. Sie werden von Raupen oft als Verpuppungsort verwendet. Gerade Brennnesseln bieten ihren zahlreichen Raupenarten ein gutes Versteck, in dem sie fast nicht zu entdecken sind. Ebenso kann das Gestrüpp von alten Brombeeren Schutz vor Fressfeinden oder auch vor Schnee und Eis bieten. Darum lässt man es am besten dort stehen, wo es nicht gross auffällt.

Altholz

Eine Beige aus Altholz bieten Raupen viele sichere Verstecke für die Verpuppung. Hier sind sie für den Schnabel eines Vogels, für die Schnauze einer Maus oder eines Igels unerreichbar. Am besten legt man sie entlang des Gartenzaunes oder eines anderen Randbereichs an, dann stört sie nicht. Es können jegliche Ast- oder Stammabschnitte verwendet werden. Oder auch alte (unbehandelte) Bretter oder Balken. Mit den Jahren verwandelt sie sich in Humus.

Lockerer Boden

Schwärmer und viele Nachtfalter vergraben sich in der Erde und verpuppen sich dort. Sie sind auf lockeren Boden angewiesen. Darum sollte man nicht alles mit englischem Rasen bedecken oder mit Gartenplatten zupflastern. 


Exotische und invasive Pflanzen

Viele Gartenpflanzen kommen von weit entfernten Regionen wie China, Indien, Afrika oder Amerika. Man nennt sie auch Neophyten oder exotische Arten. Ihre Ausbreitung hat vor allem der Zierpflanzenhandel möglich gemacht. Das Problem mit ihnen ist, dass sie unseren heimischen Raupenarten und anderen Insekten nicht als Nahrung dienen können. Darum sollte wo möglich auf das Anpflanzen von exotischen Arten verzichtet werden.

Manche von ihnen schaffen den Sprung aus dem Garten heraus in die umliegenden Wälder oder Brachflächen, wo sie sich unkontrolliert ausbreiten. Sie werden als «invasiv» bezeichnet. Ihre Vermehrung geschieht auf Kosten der heimischen Pflanzen, die aus ihrem Lebensraum gedrängt werden. Hier sind ein paar wichtige invasive Gartenpflanzen vorgestellt: 

Sommerflieder

Er stammt ursprünglich aus China und heisst im Volksmund auch Schmetterlingsstrauch, weil er im Sommer bis in den Herbst hinein üppige Blütendolden hervorbringt, die vielen Schmetterlingen Nektar spenden. Der Sommerflieder bringt für unsere Schmetterlinge jedoch mehr Probleme als Nutzen. 

Denn er produziert jedes Jahr Tausende von Samen, die mit dem Regen fortgeschwemmt werden und in unsere Naturräume wie Wälder, Brachen oder Böschungen gelangen. Die Folge davon: Statt dass an einer sonnigen Böschung Raupenpflanzen wie Hornklee, Kleine Sauerampfer, Wilde Möhre und Weissdorn wachsen, gibt es dort nur noch Sommerflieder. Für die Schmetterlingsraupen ist das katastrophal, denn sie sind auf ihre heimischen Futterpflanzen angewiesen. Mit den Blättern des Sommerflieders können sie nichts anfangen. Darum sollte man den Sommerflieder wo möglich ausreissen und dann im Kehrrichtsack entsorgen. Nur so wird vermieden, dass sich die Samen via Grüngut-Abfall weiterverbreiten. 

Nordamerikanische Goldrute

Wegen ihrer goldgelben Blütendolden ist diese aus Nordamerika stammende Pflanze ebenfalls sehr beliebt in unseren Gärten. Die Pflanze breitet sich jedoch massiv entlang von Flussläufen und Seeufern aus und verdrängt dabei heimische Pflanzenarten. Wenn man sie aussreisst und nicht richtig kompostiert, kann sie sich via Wurzeln und Samen weiterverbreiten. Darum sollte auch sie im Kehrrichtsack entsorgt werden. 

Kirschlorbeer

Er stammt ursprünglich aus der Türkei und ist eine sehr beliebte immergrüne Gartenpflanze, die als schnell wachsende Sichtschutzhecke eingesetzt wird. Die meisten Pflanzenteile wie etwa Blätter oder Samen sind giftig. Sie enthalten einen hohen Anteil an Blausäure. Für heimische Schmetterlingsraupen sind die Blätter völlig ungeniessbar. Die Samen des Kirschlorbeers werden von Vögeln gefressen und in den nächsten Wald verschleppt. Dort verdrängt er wichtige heimische Futterpflanzen. Wenn immer möglich sollte der Kirschlorbeer im eigenen Garten vollständig (mit den Wurzeln) entfernt werden. Schnittgut sollte nicht im Wald entsorgt werden, da es Wurzeln bilden kann und so neue Ausbreitungsherde entstehen. 

Robinie

Sie ist in Nordamerika heimisch, wird jedoch seit Jahrzehnten als Garten-, Park und Alleebaum geschätzt. Im Frühling blüht sie üppig und zieht viele Bienen an. Doch auch sie bietet unseren heimischen Schmetterlingsarten keine Nahrung. Zudem vermehrt sie sich stark und breitet sich vor allem entlang von Bächen und Flüssen aus. Als Verwandte der Erbse produziert sie in ihren Wurzeln ihren eigenen Dünger, den sie in den Boden entlässt. Manche heimische Pflanzen vertragen das nicht und werden dadurch verdrängt, darunter viele wichtige Raupenpflanzen.

Amerikanische Berufkräuter

Die Amerikanischen Berufkräuter stammen aus Nordamerika und sind als Zierpflanze in unsere Gärten gelangt. Durch ihre flugfähigen Samen können sie sich rasch ausbreiten. Sie wachsen vor allem auf Brachland, in Kiesgruben oder an Wegrändern. Dort verdrängen sie selten gewordene heimische Pflanzen. Amerikanische Berufkräuter sollten im Kehrichtsack entsorgt werden, um die Verbreitung ihrer Samen zu verhindern. 


Der Garten als Lebensraum

Für uns ist ein Garten in erster Linie ein Erholungsraum. Wir geniessen die Sonne auf dem Liegestuhl, lesen die Zeitung auf dem Gartensitzplatz oder gehen barfuss über den frisch gemähten Rasen. Auf all das muss nicht verzichtet werden, nur weil man etwas für Schmetterlinge tut. Meistens nutzen wir ja ohnehin nicht den ganzen Garten. Der Bereich neben der Treppe, der Streifen entlang des Zauns, die Böschung, der Entwässerungsgraben – das sind alles wenig genutzte Stellen, die wir den Schmetterlingen getrost abtreten können. 

Kinder

Der Garten ist ein hervorragender Spielplatz für Kinder. Sie können in ihm mit allen Sinnen eintauchen, ihre Hände in die Erde stecken, Regenwürmer anfassen oder gefallenes Laub riechen. Mit ihrem Spieltrieb schaffen die Kinder natürlich Unordnung. Etwa, wenn sie einen Erdhaufen aufschichten, oder eine Burg aus Steinen bauen oder eine Delle im Boden mit Wasser fluten. Wenn es nicht zu sehr stört, sollte man diese «Bauwerke» belassen. Denn sie sind oft sehr wertvoll für das Ökosystem des Gartens und bieten Insekten, Igeln, Salamandern oder Blindschleichen Unterschlupf. 

Sandkasten

Sandkästen sind ein grossartiges Erlebnisspielzeug für Kinder (und Erwachsene). Daneben kann die Bautätigkeit der Kinder neue Naturräume schaffen. Etwa indem die Kinder den Sand mit dem Spielzeugtraktor wegtransportieren und ihn an einer anderen Stelle abladen. Diese «illegalen» Deponien dienen höhlenbrütenden Wildbienen als Nistplatz. 

Wird der Sandkasten wieder zurückgebaut, kann man den Sand auch als permanenter Naturraum an Ort und Stelle belassen. Am besten begrünt man ihn etwas mit Hufeisenklee. Er liebt den sandigen Untergrund, dient mehreren Bläulingen als Raupennahrung und liefert Pollen und Nektar für Schmetterlinge und viele Wildbienenarten bis in den Oktober hinein. Auch andere Schmetterlingspflanzen lassen sich gut in ehemalige Sandkästen setzen, zum Beispiel die Wilde Möhre, der Wundklee oder die Taubenskabiose.

Rasen- und Wiesenpflege

Der Rasen ist ebenso Teil des Gartenökosystems wie die Hecke oder der Altholzhaufen. Auf dem Rasen fressen Heuschrecken, Raupen und Käfer. Und im Rasen ruhen während des Tages viele Nachtfalter. Wer ihn als Ökosystem fördern möchte, kann das Gras an manchen Stellen (etwa auf einem Streifen entlang des Zaunes) für ein paar Monate wachsen lassen. Dann entsteht ein richtiger Rasen-Dschungel, auch bekannt als «Wiese». Die übrige Fläche kann weiterhin mit dem üblichen Kurzschnitt behandelt werden. Wer allerdings eine artenreiche Wiese haben möchte, muss aber noch einen Schritt weiter gehen. Denn auch ein Rasen, der wild wachsen gelassen wird, enthält nur eine geringe Zahl von Pflanzenarten. Um diese zu erhöhen, muss der alte Rasen entfernt werden. An seiner Stelle wird eine standortgerechte Wiesenmischung angesät. Welche dsa sind, zeigt diese Webseite.

 Auch mit der Wahl der Mähmaschine lässt sich viel für den Erhalt von Insekten beitragen. Die traditionellen Rasenmäher besitzen eine rotierende Klinge, die Konfetti aus den Grashalmen macht. Dabei wird jedoch auch ein Grossteil der Insekten zerstückelt. 

Eine schonendere Alternative ist ein Balkenmäher. Diesen kennt man vor allem aus der Landwirtschaft. Heute gibt es jedoch auch kleinere Modelle für den Garten. Der Vorteil von ihm ist, dass er das Gras unten an einer einzigen Stelle abschneidet. Insekten, die sich auf den Halmen befinden, können nach dem Schnitt bequem aus dem Staub machen.

Zäune

Ein Zaun begrenzt das eigene Grundstück zu dem des Nachbarn. Er ist aber auch eine wichtige Struktur für das Leben im Garten. An ihm klettern Pflanzen wie das Geissblatt, die Brombeere oder die Winde hoch. Damit wird der Zaun zu einer grünen, belebten Wand, die Nektar, Pollen und Grünfutter für Insekten spendet. Hier im Bild labt sich gerade das Taubenschwänzchen an der Blüte eines Geissblatts. 

Dem Fusse des Zauns möchte man mit dem Mäher ungern zu nahe kommen, weil dabei der Draht verletzt werden könnte. Das ist gut so. Die vielen Kräuter sollten dort ruhig wachsen dürfen.

Bäume

Die hier vorgestellten Baumarten – hier im Bild die Hängebirke – spielen nicht nur eine Rolle als Futterpflanze für Raupen. Für Menschen haben sie ebenfalls eine wichtige Bedeutung. So bringen sie Kühlung in den heissen Sommermonaten. Im Zuge des Klimawandels steigt die Temperatur in unseren Gärten zeitweise ins Unerträgliche. Bäume können hier helfen, denn sie kühlen ihre unmittelbare Umgebung um bis zu vier Grad Celsius. Manche Baumarten wie etwa die Salweide liefern zudem Bastelmaterial. Aus ihren biegsamen Zweigen lassen sich Körbe, Mobiles oder Traumfänger herstellen.

Fledermauskasten

Fledermäuse schlafen im Sommer gerne in Baumhöhlen. Die Zahl dieser Naturstrukturen ist in unserer übernutzten Kulturlandschaft jedoch eher gering. Als Ersatz lassen sich Fledermauskästen aufhängen. Am besten macht man das an der Hauswand unter dem Dachvorsprung. Hier fühlen sich die Tiere auch in einem von Kindern belebten Garten nicht gestört.

Wildbienenhotel

Zwanzig Prozent der sechshundert Schweizer Wildbienenarten nisten in hohlen Stängeln. Sie lassen sich durch ein «Wildbienenhotel» fördern – allerdings nur, wenn dieses richtig gebaut ist. Die meisten im Handel angebotenen Nisthilfen entsprechen nicht den Bedürfnissen der Wildbienen. Darauf sollte geachtet werden.

Am besten stellt man dieses an eine südseitige Hauswand, die von der Sonne beschienen wird. Solche Nisthilfen sind für Kinder sehr interessant, weil sie dort verschiedene Arten von Wildbienen beim Bau der Brutzellen und bei der Beschaffung des Pollens beobachten können. 



Kontakt: mail@atlant.ch